Ketzer, Künstler und Dämonen
6. April 2010 von Monika Lechler
Im Newsletter von gz-online.de bin ich über eine Besprechung eines Sachbuches gestolpert, das auch Solitaire-Blogleser interessieren könnte. Es geht um die Geschichte eines Goldschmieds. “Ketzer, Künstler und Dämonen” lautet der Titel des Buches das Bernd Roeck geschrieben hat. Es beschreibt die Welt des Goldschmieds David Altenstetter im 16. Jahrhundert. Von kaum einem Künstler dieser Zeit ist so viel an Material überliefert. Dennoch – so heißt es in der Besprechung im Newsletter:
ist es nicht leicht, der historischen Figur Leben einzuhauchen. Altenstetter wurde Mitte des 16. Jahrhunderts in Collmar geboren. Bekannt als Goldschmied wurde er erst nach seiner Übersiedlung nach Augsburg, wo er eine vermögende Bürgerstochter heiratete und bald zu größeren Aufträgen kam. Was ihn darüber hinaus als historische Gestalt überaus interessant macht, ist ein Verhörprotokoll vom Dezember 1598 anlässlich eines langen Wochenendes, das der Goldschmied mit zwei befreundeten Handwerkern im Gefängnis unter dem alten Rathaus verbrachte. Ihnen wurde vorgeworfen, sich heimlich sonntags zu treffen und regelmäßig die kirchlichen Gottesdienste zu schwänzen. Dank ihren Unschuldsbeteuerungen und der Unterstützung anderer kamen die Handwerker wieder frei.
Auf der Seite des Verlages liest sich die Inhaltsangabe so:
Jemand musste David Altenstetter verleumdet haben. Statt in die Kirche, so hieß es, gehe er des Nachts zu geheimen Konventen in den Wäldern außerhalb der Stadt. Die Obrigkeit schickt ihre Schergen aus, um den berühmten Goldschmied in Ketten zu legen. Altenstetter weiß: Wer der Ketzerei überführt wird, muss brennen. Es beginnt ein Verhör auf Leben und Tod … Augsburg im späten 16. Jahrhundert war der Ort eines prekären Gleichgewichts. Nicht nur haderten die beiden großen Konfessionen miteinander um die Deutung der menschlichen Existenz und die weltliche Macht. Die Menschen waren auch hin- und hergerissen zwischen christlichen und magischen Vorstellungen. Geister, Werwölfe und Untote bevölkerten die Traumlandschaften der Zeitgenossen, Pest und Türkengefahr nährten Phantasien vom drohenden Weltende. Bernd Roeck macht sich auf die Spurensuche jener schillernd sinistren Welt der Frühen Neuzeit. Indem er Stück für Stück die Biographie des brillanten Goldschmieds David Altenstetter rekonstruiert, macht er das Leben in einer deutschen Stadt mit allen Sinnen erfahrbar und führt in die längst verdrängte spirituelle Geschichte des 16. Jahrhunderts ein. Roecks Buch ist nicht weniger als eine glänzend erzählte archäologische Reise ins Unbewusste der europäischen Kultur.
Das Buch ist erschienen im Verlag C.H. Beck in München 2009. Es hat 288 Seiten, ist gebunden und kostet 24,90 €. Ich finde, das liest sich alles sehr interessant und total spannend. Wenn ich nur mehr Zeit zum Lesen hätte…






