Ausstellungstipp: Jens-Rüdiger Lorenzen, Schmuckskulpturen
26. Februar 2010 von Dieter Lechler

AnsteckschmuckJens-Rüdiger LorenzenFoto Petra Jaschke
Vom 26. Februar bis zum 24. Mai 2010 findet im Schmuckmuseum Pforzheim eine Ausstellung statt, auf die ich hier aus zwei Gründen hinweisen möchte. Zum einen halte ich sie für ausgesprochen interessant für Schmuckfreunde und zum anderen hat der Künstler Jens-Rüdiger Lorenzen in den sechziger Jahren bei den selben Lehrern an der damaligen Kunst- und Werksschule in Pforzheim studiert wie ich. Aber nicht nur deshalb finde ich diese Ausstellung sehenswert. Hier die Presseankündigung des Museums zu dieser Ausstellung:
Schmuckstücke von Jens-Rüdiger Lorenzen sind miniaturhafte Skulpturen am Körper. Durch die Kombination von linearen und räumlichen Elementen haben sie eine konstruktivistische Wirkung. Farbe setzt der Schmuckkünstler sehr pointiert ein. So gewinnt er den Werkstoffen selbst eine erstaunliche Farbigkeit ab, beispielsweise wenn er Silber mit Papier kaschiert. Er hat unverwechselbare Ausdrucksformen gefunden, die sowohl in der Tradition bildhauerischer Tendenzen des 20. Jahrhunderts und insbesondere der des Konstruktivismus stehen. Die formale Reduktion ist auch Zeugnis für seine langjährige Beschäftigung mit japanischer Gartenarchitektur und der Schriftsprache japanischer Zen-Mönche. In der Ausstellung, einer Retrospektive, sind rund 80 Objekte, darunter auch ganz aktuelle Arbeiten, und Gegenstände aus dem japanischen Alltagsleben zu sehen.

Ansteckschmuck Silber, Neusilber, PapierJens-Rüdiger Lorenzen Foto Petra Jaschke
Neben Schmuckskulpturen spricht Jens-Rüdiger Lorenzen von seinem Schmuck auch als Seelenzeichen. Schmuck ist immer eine Art von Zeichen, sei es magisch im Sinne eines Amuletts oder als Distinktionsmittel. Darüber hinaus aber ist Schmuck zeichenhaft sowohl in Bezug auf den Träger als auch mit Blick auf den Schmuckkünstler, bringt er doch ein Stück seiner selbst zum Ausdruck. Als Objekte in sich sind die Ringe, Broschen oder der Halsschmuck von Lorenzen gleichsam zeichenhaft für seine Auseinandersetzung mit der Bildhauerei. Bogen, Linien und geometrische Formen werden dreidimensional und spielen mit dem Raum. Gleichzeitig lässt das zartgliedrig Grafische, kontemplativ Anmutende seiner Arbeiten an japanische Einflüsse denken; nicht zuletzt die in jüngster Zeit entstandenen Stücke mit Pergament, die in ihrer Transparenz vergänglich und fragil erscheinen.

Ansteckschmuck Stahl, Silber, Pergament, LackJens-Rüdiger Lorenzen Foto Petra Jaschke
Den Reiz an der Gartenarchitektur oder den Schriftzeichen des Fernen Ostens, so sagt er selbst, macht für ihn die Abstraktion einer ziemlich realen Vorstellung aus, die als Ergebnis Stille und Klarheit hat. Auch Farbe setzt der Schmuckkünstler nur sehr reduziert ein und konzentriert sich hier ebenfalls auf das Wesentliche. Ausgehend von Zeichnungen, entstehen dabei unendlich feine Abstufungen und Variationen der Oberflächenstrukturen und Farbnuancen.
1942 in Westfalen geboren, hat Jens-Rüdiger Lorenzen an der Kunst+Werkschule (heute Hochschule Pforzheim) studiert, an der er seit 1985 gelehrt hat und von der er 2009 emeritiert wurde. Von 1974 bis 1985 war er Lehrer an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau. Seit 1968 hatte er zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, nicht zuletzt in Japan. Arbeiten von ihm befinden sich unter anderem in der Neuen Sammlung in München, dem MAK Wien, dem Victoria & Albert Museum in London oder dem Museum of Modern Art in Kyoto.
Zur Ausstellung gibt es die Publikation „Eigentlich ist alles ganz anders. Jens-Rüdiger Lorenzen: Schmuckskulpturen 1982-2009“, die für 20 € im Museumsshop erhältlich ist.
Veranstaltungsprogramm
Öffentliche Führungen
Sonntag, 21. März und 9. Mai, 15 Uhr
5 €, 3,50 € ermäßigt
Linie kreuzt Fläche – Workshop für Kinder und Jugendliche
Freitag, 12. März, 14:30 bis 16:45 Uhr
10 € (mit Unterstützung des Museumsfördervereins ISSP)
Anmeldung: Tel. 07231/39-2126
Öffnungszeiten des Schmuckmuseums Pforzheim
Di bis So und feiertags 10 bis 17 Uhr (außer Hl. Abend und Silvester) • Eintritt in die Dauerausstellung 3,00 €, ermäßigt 1,50 €, bis 14 Jahre und mit Oberrheinischem Museumspass frei • Gruppenführungen auf Anfrage • Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung sonntags 15 Uhr, 5 €, ermäßigt 3,50 € • Partner von Kulturland Baden-Württemberg • Medienpartner des Schmuckmuseums sind Pforzheimer Zeitung und SWR2 • Weitere Informationen unter www.schmuckmuseum.de
Copyright Fotos: Petra Jaschke, Schmuckmuseum Pforzheim





